Ein wirklich schöner Budo-Lehrgang
so empfand am Ende unseres Lehrgangs auch Marcus Gutzmer (5. Dan), der zusammen mit unserem Walter Gomm (4. Dan) den vielen zugereisten und „einheimischen“ Karatekas ein breites Spektrum von Einblicken in den Karate-Do ermöglichte.
Doch der Reihe nach: Schon am Freitagabend, 30.04.04, fanden sich viele Karateka zur ersten und gemeinsamen Einheit mit dem Thema Ki im Karate ein. Ki ist dabei die Lebens- oder Bio-Energie, die in vielen Formen als Chi/Qi in chinesischen Lehren (Qi Gong …) und als Ki im (japanischen) Karate thematisiert wird. Walter legte hier zunächst den Fokus auf die richtige Haltung, Vorübungen und spezielle Ki-Übungen.
Während die Mai-Wanderer am Samstag (1.5.2004) vermutlich über den regnerischen Tag schimpften, war die Halle an diesem Tag noch voller. So wurde die bereits am Freitag begonnenen Themen in zwei Einheiten für die Unterstufe und einer weiteren Einheit für die Mittel-/Oberstufe noch vertieft.
Zur Mittagszeit kamen dann endlich die mitgebrachten Lang-Stöcke (Bo) zum Einsatz. Diese etwa körperlangen Stöcke aus japanischer Eiche wurden zum Teil im Original benutzt - jedoch waren fast alle Holzsorten vertreten: Vom Besenstil über den Kiefernholzstab aus dem Baumarkt bis zur Haselnussrute. Dass dabei doch eine Menge Holz mit Wucht auftrifft, konnte man dann bei den Partnerübungen sehen - mein „Bo“ aus dem Baumarkt war nach der letzten Übung etwas kürzer. Auch wenn in der kürze der Einheit das Thema natürlich nicht erschöpfend behandelt werden konnte, ist doch der Grundstein für weitere Übungen und Beschäftigung mit dem Thema Bo und Karate gelegt worden.
Der nächste Schritt in Richtung „Erweiterung des Karate-Horizonts“ führte über die Einheit „Stilfremde Kata“ von Marcus: Nach kurzer Wiederholung der Kata Bassai-Dai aus unserem Shotokan-Stil zeigte er uns die Shito-Ryu-Version eben dieser Kata, so dass schnell verwandte Elemente und der gemeinsame Ursprung auffielen. Trotzdem sind natürlich viele der Techniken und Stellungen zunächst ungewohnt, was aber gerade den Reiz dieses Blicks über den Tellerrand ausmacht.
Den Abschluss des offiziellen Teils machte eine gemeinsame Einheit mit wesentlich kürzeren aber dafür zwei Stöcken: Arnis. Bei Arnis handelt es sich um eine Philippinische Kampfkunst, die sich - obgleich sie ebenfalls Wurzeln im Kung-Fu haben soll - sehr von den gewohnten Bewegungen des Shotokan-Karate und verwandter Stile unterscheidet. Kurze Bewegungssequenzen, ein längeres Partnertraining und eine abschließende Vorführung ermöglichten uns einen für die Kürze der Trainingszeit ungewöhnlich tiefen Einblick in die Konzepte und grundlegenden Bewegungen dieser Kampfkunst.
Nach erfolgter Gürtelprüfung klang ein sehr schöner Lehrgang mit vielen neuen Eindrücken und einem super Spaßfaktor in einer Plieninger Pizzeria langsam aus.
Thomas Schlegel, UKD Stuttgart
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